Aufzucht von Tomatenpflanzen

    Aufzucht von Tomatenpflanzen

    Hi, ich wills auch mal probieren mit den Tomaten.
    Ich habe heute Tomatensamen in Töpfchen gesät. Muss schon jetzt beleuchtet werden oder erst nach Erscheinen der grünen Pflanze.
    Ich beleuchte mit dem LT grow-Modul. Welcher Abstand ist sinnvoll?
    Ihr seht, ich bin totaler Tomaten-Laie, daher bitte ich um Informationen.

    Sage schon mal DANKE.

    jn

    jn1480 schrieb:

    Ich beleuchte mit dem LT grow-Modul. Welcher Abstand ist sinnvoll?

    Oh, da hast du dir aber was anspruchsvolles ausgesucht (siehe Cossarts oben verlinkten Thread). Deswegen die Antwort: So nah ran wie möglich. Und: Ein Grow- Modul wird wohl nicht reichen. Oder hast du die Tomaten am Fenster und nimmst das Modul nur zur "Tagverlängerung"?
    A chili a meal stops scroungers from steal

    Cossart schrieb:

    Nein, der CRI hat keinerlei Einfluß. Im Hinblick auf die rot-blauen Wachstumsleuchten könnte man auch schreiben: Je schlechter der CRI, desto besser das Wachstum!


    Da bin ich anderer Meinung. Gerade die LEDs mit sehr hohem CRI haben ihre Peak Wellenlänge im roten oft nahe bei 650nm und ein hohes rot zu blau Verhältnis.
    Wenn man z.B. das Spektrum der OSRAM Oslon SSL 80 neutral-weiss CRI 95 mit dem Absorbtionsspektrum nach Tazwa gewichtet, kommen sehr gute Werte dabei raus.

    Gyro G. schrieb:

    Da bin ich anderer Meinung. Gerade die LEDs mit sehr hohem CRI haben ihre Peak Wellenlänge im roten oft nahe bei 650nm und ein hohes rot zu blau Verhältnis.

    Dafür besitzen sie einen miserablen Wirkungsgrad. Deine LCW CQDP.CC erreicht bei 700 mA und 25 °C eine Strahlungsleistung von lediglich 0,465 W, was einen Wirkungsgrad von läppischen 19,5 % ergibt. Eine Mischung von 1 x LXML-PR02-A900 und 4 x LXM3-PD01 (beide Luxeon, beide erhältlich beispielsweise bei Luxeonstar.com) erzielt ein ähnliches Rot:Blau-Verhältnis wie die LCW CQDP.CC bei einem Wirkungsgrad von 40,2 %, mehr als das doppelte der müden Osram!

    Wenn man z.B. das Spektrum der OSRAM Oslon SSL 80 neutral-weiss CRI 95 mit dem Absorbtionsspektrum nach Tazwa gewichtet, kommen sehr gute Werte dabei raus.

    Aber auch nur, wenn man den miserablen Wirkungsgrad außer Acht läßt. Wendet man mein Bewertungsverfahren auf die LCW CQDP.CC an, erreicht sie einen theoretischen Photosynthewirkungsgrad von 736 syn/W (Tazawa), würde sie die zugeführte elektrische Leistung zu 100 % in Licht umsetzen. Rechnet man die Wirkungsgrad mit ein, bleiben davon in der Realität noch 144 syn/W übrig.

    Meine obige Mischung käme auf 841 syn/W (Tazawa) bei 100 %, in der realen Praxis kann man 338 syn/W davon nutzen.

    Ich bleibe dabei: Deine LCW CQDP.CC ist eine müde Funzel, von der man besser die Finger läßt, wenn es einem auf hohe Photosyntheseausbeuten ankommt.
    结局很近。

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    Eine LED Kombination aus einzelnen Wellenlängen ist einer weißen LED im Bezug auf Strahlungsleistung natürlich überlegen. Allein schon deswegen, weil das rote Licht direkt von einem anderen Halbleiter erzeugt wird, anstatt, wie bei einer weißen, erst mit einem Farbstoff in einen anderen Wellenlängenbereich transformiert werden muss.

    Ich dachte aber dass es um weiße LEDs geht, für mich macht der Begriff CRI im Zusammenhang mit roten oder blauen LEDs keinen Sinn. Bei einem Vergleich zu einer kaltweißen LED, die mehr Strahlungsleistung pro Watt erzielt, schneidet aber die Osram LED mit einem Bewertungsverfahren, das die Korrelation mit dem Photosynthesespektrum aller Wellenlängen berücksichtigt, m.M.n. trotzdem besser ab.

    Prinzipiell ist das Bewertungsverfahren, die V(Lambda) Kurve durch die Photosyntheseabsorbtionsspektren zu ersetzten ja ein gangbarer Weg, ich finde aber da fehlt noch eine Bewertung der Korrelation aller Wellenlängen.
    Ein Beispiel: nach deiner Bewertung müsste eine Pflanzenlampe aus 100% blau 450nm die besten Werte liefern,v.A. auch unter Berücksichtigung der Effizienz. Versuche haben aber gezeigt, dass dem nicht so ist, weil einfach die anderen Wellenlängen fehlen und mit berücksichtigt werden müssen.
    Als nächster Schritt wäre ein Spektrum aus blau und rot zu bewerten, das erzielt, wie du oben gezeigt hast nach deiner Bewertung auch sehr gute Werte. Unter Berücksichtigung aller Wellenlängen sieht es aber schon wieder anders aus, weil immernoch viele Bereiche fehlen. Vielleicht eine Erklärung warum die NASA in ihren Experimenten auch grüne LEDs mit dazumischt oder viele hier im Forum gerade auch mit weißem Licht bessere Ergebnisse erzielt haben als unter rot/blau alleine (siehe Pflanzenwachstum unter LED-Licht)

    Ich bin noch auf der Suche nach einer mathematischen Methode um die Gewichtung so anzupassen, dass alle Wellenlängen beider zu gewichtenden Spektren berücksichtigt werden. Das könnte dann in etwa so aussehen:



    Die Gewichtung berücksichtigt die gesamte Energie beider Spektren. Summiert man daraus die Übereinstimmung, kommt die Oslon auf knapp 60%, da kommt man mit kaltweißen LEDs oder Rot/Blau Kombinationen nicht mal annähernd hin.

    Die Effizienz der Osram liegt nach meiner Rechnung auch bei 19,35%, das ist im ersten Blick erstmal nicht so viel, ja. Aber eine so gute Übereinstimmung beim Gesamtspektrum musst du mit einer LED Kombination erstmal hinbekommen.

    Gyro G. schrieb:

    Ein Beispiel: nach deiner Bewertung müsste eine Pflanzenlampe aus 100% blau 450nm die besten Werte liefern…

    ;) . Beste Werte liefert eine Pflanzenlampe aus 100 % rot 660 nm, weil sie fast anderthalb mal soviele Photonen erzeugt (bei annähernd gleichem Wirkungsgrad) wie die blaue. Und es gibt tatsächlich Pflanzen, die man bei 100 % 660 nm gesund ziehen kann, Salat ist so eine. Üblicherweise aber benötigen Pflanzen für gesunden Wuchs einen Blauanteil, der je nach Pflanzenart zwischen 10 und 30 % des roten Anteils liegt.

    Gyro G. schrieb:

    Die Effizienz der Osram liegt nach meiner Rechnung auch bei 19,35%, das ist im ersten Blick erstmal nicht so viel, ja. Aber eine so gute Übereinstimmung beim Gesamtspektrum musst du mit einer LED Kombination erstmal hinbekommen.

    Es ist ein grober Trugschluß, man müsste nur die Bewertungsfunktion (und von denen gibt es auch mehr als nur Tazawa) nachbilden um bestes Pflanzenwachstum zu erreichen. Eine "so gute Übereinstimmung beim Gesamtspektrum" ist gar nicht notwendig. In erster Näherung ist die Photosyntheseleistung der Pflanze proportional zur Zahl der eingestrahlten Photonen. In zweiter Näherung guckt man sich an, bei welchen Wellenlängen die Pflanze die höchste Absorptionsrate hat. Das ist bei rot und blau der Fall. Und erst in dritter Näherung nimmt man auf die akzessorischen Pigmente Rücksicht und darauf, daß die Pflanze mit dem Licht mehr macht als nur Photosynthese.

    Die LCW CQDP.CC strahlt pro Watt zugeführter elektrischer Leistung nur die halbe Anzahl Photonen ab wie meine Rot-Blau-Kombination. Wie, bitte, soll da die Funzel eine höhere Photosyntheseleistung erzielen?

    Kommerziell erfolgreiche LED-Pflanzenleuchten bestehen überwiegend aus einer Rot-Blau-Kombi und Philips hat jahrzehntelange Erfahrung mit Pflanzen unter Kunstlicht. Tatsächlich stammt eines der kursierenden Photosynthesewirkspektren aus dem Philips-Labor (McCree, 1972). Ich bin sicher, die Leute bei Philips wissen was sie tun.
    结局很近。
    mag sein, dass Philips spezielle rot-blau Spektren für bestimmte Pflanzenarten zusammengestellt hat. Wie du schon am Beispiel vom Salat zeigst, gibt es bestimmt für jede Pflanzenart ein Spektrum, mit dem sich die höchsten Erträge erzielen lassen.
    Um das herauszufinden braucht man aber etliche Versuchsreihen, Ressourcen und Zeit. Alles Faktoren die eine Firma wie Philips bereitstellen kann, das glaube ich schon auch.

    Wenn man aber wie wir hier diese erforschten Spektren nicht hat und unter realistischem Aufwand auch nicht bekommen kann, müssen wir uns mit einem "universellen" Spektrum begünügen, das aus vielen verschiedenen Arten gewonnen wurde, so wie beispielsweise das von Tazwa. Und das besteht eben nicht nur aus rot und blau.
    In deinem Tomatenthread hast du ja auch jede Menge weiße LEDs eingesetzt die viel Licht im Bereich von 500-600nm erzeugen. Welche akzessorischen Pigmente wolltest du damit dann erreichen?

    Ich denke eben, wenn man der Pflanze alle Spektralanteile anteilig genau so liefert, wie sie sie aufnehmen kann, erzielt man das Maximum und einen gesunden Wuchs.

    Gyro G. schrieb:

    mag sein, dass Philips spezielle rot-blau Spektren für bestimmte Pflanzenarten zusammengestellt hat.

    Warst Du eigentlich auf der verlinkten Hortikultur-Seite von Philips? Wohl eher nicht, denn Philips baut keine "spezielle rot-blau Spektren für bestimmte Pflanzenarten", sondern bietet die GreenPower LED in lediglich drei unterschiedlichen Bestückungen für alles, was man in Gewächshäusern so anbaut.

    Abgesehen davon hat man Gewächshäuser jahrzehntelang mit dem fast monochromatisch gelben Licht von Natriumdampfstrahlern beleuchtet und das auch funktioniert.

    Wenn man aber wie wir hier diese erforschten Spektren nicht hat und unter realistischem Aufwand auch nicht bekommen kann, müssen wir uns mit einem "universellen" Spektrum begünügen, das aus vielen verschiedenen Arten gewonnen wurde, so wie beispielsweise das von Tazwa. Und das besteht eben nicht nur aus rot und blau.

    Du solltest Dir die Originalarbeiten von McCree (1972), Inada (1975) und Tazawa (1999) mal durchlesen (ja, ich habe alle hier). Deren Spektren sind nicht die Spektren für besonders hohen Ertrag oder für besonders schönen Wuchs, sondern lediglich Photosynthesewirkspektren. und das Wirkspektrum nach Tazawa, an dem Du offensichtlich besonders hängst, ist auch nur eines unter anderen.

    Ich wiederhole mich: Es ist mMn. absolut nicht notwendig, eines der Wirkspektren der Photosynthese nach McCree, Inada oder Tazawa mit verfügbaren Leuchtmitteln nachzustellen. Die drei Näherungen an ein praxisorientiertes Spektrum habe ich bereits in meinem vorherigen Beitrag beschrieben.

    Besonders gespannt bin ich auf das kommende "International Symposium on Light in Horticulture". Die Themen sind sehr interessant. Ich hoffe daß die Vorträge, wie beim letzten Symposium schon, in einem Symposiumsband zusammengefasst werden.
    结局很近。

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    Du kannst es ja so wie ich machen: Morgens von 5 Uhr bis es hell ist und du aufgestanden bist und danach wieder nach dem Dunkelwerden etwa bis 23 Uhr, damit du so insgesamt auf 18h gutes Licht kommst. Die Zusatzbeleuchtung braucht in dem Fall noch nicht einmal besonders stark sein.
    Sehr interessant, danke Cossart. das letzte, aktuellste Paper kann man sich einfach runterladen. Da stehen praktischerweise auch gleich die anderen beiden erwähnten Spektren drin, die verblüffend ähnlich sind.
    Im gelb-grünlichen Bereich scheint es einen signifikanten Beitrag zur Photosynthese zu geben, das bestätigt zumindest, dass weiße LEDs durchaus auch Effekte bewirken.
    Zum International Symposium on Light in Horticulture: wo wäre denn der Band erhältlich, sollte es einen geben?


    @ jn1480: Hier ist das Spektrum des Moduls:


    Ich bin kein Experte, aber meiner Meinung nach hätte mehr weiß nicht geschadet. Cossart ist da z.B. aber vermutlich anderer Meinung.
    wenn ich mich recht erinnere hat Hombre vorher ein paar Versuche mit unterschiedlichen Modulen an Chilis gemacht, bevor er sich für dieses entschieden hat. Ich weiß aber nicht mehr wo..

    'N Abend...

    Gyro G. schrieb:

    Sehr interessant, danke Cossart. das letzte, aktuellste Paper kann man sich einfach runterladen.

    Langsam... Das, was Du als das aktuellste bezeichnest, ist eigentlich gar nicht so aktuell. Tazawa hat im ersten Teil seines Papers lediglich die Arbeiten von McCree und Inada zusammengefasst und im zweiten Teil dann verschiedene Lichterzeugungssysteme seiner Zeit anhand dieses Summenspektrums evaluiert.

    Wenn Du McCree und Inada im Original gelesen hättest, wäre Dir auch aufgefallen, daß man den Original-McCree gar nicht direkt mit dem Inada vergleichen darf. Vielleicht kommst Du noch drauf, warum ;) ...

    Im gelb-grünlichen Bereich scheint es einen signifikanten Beitrag zur Photosynthese zu geben, das bestätigt zumindest, dass weiße LEDs durchaus auch Effekte bewirken.

    McCree, Inada und Tazawa betrachten nur die Photosyntheseeffizienz, nichts anderes als die Photosyntheseeffizienz. Ich bitte Dich daher um Beantwortung dieser Frage: Warum soll ich der Pflanze ein grünes Photon anbieten, wenn sie doch ein rotes Photon gut anderthalb effizienter für die Photosynthese nutzen kann?

    Zum International Symposium on Light in Horticulture: wo wäre denn der Band erhältlich, sollte es einen geben?

    Auf der Publikationsseite der ISHS, gehe ich zumindest davon aus.

    Ich bin kein Experte, aber meiner Meinung nach hätte mehr weiß nicht geschadet.

    Vor allem hätte eine Reduzierung des viel zu hohen Blauanteils nicht geschadet. Da man aus der gleichen elektrischen Leistung anderthalb mal mehr rote als blaue Photonen bekommt, verpulvert das Modul nur unnütz Energie im blauen Bereich.
    结局很近。

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    Jetzt wieder zurück zur Praxis: Nach über 20 Tagen ist der Samen aufgegangen. Die kleinen Pflänzchen richten sich nach dem Licht aus. Ich steuere das Pflanzlicht mit einer Schaltuhr nach Vorgabe eines users (John S.)und schaue auch täglich nach der Feuchtigkeit. Die Sorte der Tomaten ist "Tasty Tom" aus dem Laden mit dem großen A. Die Samen wurden frisch entnommen und auf Küchentuch getrocknet und damit zusammen in die Erde gesteckt. (Geranienerde)Mal schauen wie es weitergeht. (Das Foto ist mit 2 MB zu groß !?)

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