Taschenlampe 100 Watt selbst bauen - Kind

  • Hallo,
    vielleicht kann mir jemand etwas Unterstützung geben.
    Mein Sohn möchte sich eine Taschlampe 100 Watt selbst bauen. (Im Unterricht machen sie das gerade in klein mit 3 Volt)
    Im Internet gibt es ja einige Anleitungen und die Materialien hat er sich schon rausgesucht.
    Vom Thema STROM Volt und Ampere habe ich mal so gar keine Ahnung und traue mich also auch nicht ihm diese Materialien zu kaufen. Im Internet finde ich allerdings auch keinen Hinweis darauf, was da wirklich gefährlich werden könnte.
    Gibt es etwas zu beachten? Oder kann ich ihn da ran lassen?
    Danke

  • 100W LED und Kind würde ich mal lassen.

    Schon 10W und Kind fände ich kritisch.

    Mit sowas lässt sich viel (gefährlicher) Blödsinn anstellen.


    Eine 100W LED lässt sich günstig kaufen - 2-5€ für die Billigen aus China.

    Bessere LEDs kosten auch nicht viel: https://www.aliexpress.com/item/32917541864.html (4000 oder 5000K mit Halter) oder https://www.aliexpress.com/item/33017251834.html (4000K) oder https://www.aliexpress.com/item/32997002582.html (100w Neutral White)

    Ein Treiber dafür ist an sich auch kein Problem, da macht es ein Boost-Modul mit Strombegrenzung


    Die Kritischen Punkte sind aber die Kühlung und vor allem der Stromspeicher.

    Eine Ausreichende Kühlung lässt sich mit einem alten CPU-Kühler mit Lüfter bewerkstelligen - 5-15€ bei ebay, je höher der TDP-Wert, umso besser.


    Wo der Strom aber her kommen soll... Da benutzt man meistens LiIon oder LiPo's - die sind verglichen mit den restlichen Kosten teuer und bei falscher Verwendung sehr gefährlich, dafür aber leicht.

    z.B. https://hobbyking.com/de_de/zi…h-4s1p-30c-with-xt90.html

    Vor den Teilen muss man aber Respekt haben - hab ich auch. DIe Ströme, die so ein Ding produzieren kann, wenn es zu einem Kurzschluss kommt sind enorm und daher ist sowas alles, aber kein Spielzeug und gehört weit weg von Kinderhänden.

    Ein Ladegerät kostet natürlich auch nochmal Geld.


    Ich würde das Ganze auf 10W herunterschrauben, wenn überhaupt. Das lässt sich deutlich einfacher und sicherer bewerkstelligen, vielleicht sogar mit einem vorgefertigten Gehäuse?

    z.B: https://www.aliexpress.com/item/32821719069.html - der Rest, also Akku, Ladegerät, LED und Treiberplatine kosten zusammen vielleicht 20€.

    Man muss aber Löten können und entsprechend alles dafür vorrätig daheim haben - Lötkolben und Lot als mindestes

    A Christian telling an atheist he is going to Hell is about as scary as a small child telling an adult they wont get any presents from Santa.

    Bin kein RGB-Freund

  • 100W LED und Kind würde ich mal lassen.

    Prinzipiell hast du natürlich recht. Auch kurzzeitiges Reingucken in die mit voller Leistung betriebene LED kommt nicht so gut.

    Aber einerseits schreibt der Threadstarter nicht, wie alt das Kind ist und wie verständig.

    In welchem Alter haben wir denn unsere ersten Bastelerfahrungen gemacht und was hätte dabei alles passieren können?

    Ich habe mit 6 oder 7 Jahren auch mittels Relaispule und Induktionsspannung beim Abschalten derartig eine gepflastert bekommen, das es mich fast umgehauen hat. Das war auch "nur ein 12V Eisenbahntrafo, wo nichts passieren konnte" ;)

    Mit 12 habe ich ne 220V Gartenlampe angeklemmt, weil mein Großvater zwar ein begnadeter Bastler war, aber von Strom hatte er keine Ahnung. Nachdem es bei ihm "puff" machte und die Sicherung kam, durfte ich dann 8)

    Mit 15 bekam ich am selbstgebauten Strobo aus dem Spannungsverdoppler mit über 600V eine geschossen.

    Derartige Erfahrungen prägen und ich lasse heutzutage die nötige Vorsicht walten, wenn ich bspw. in einem Schaltnetzteil Fehlersuche betreibe.

    Ich denke, mit etwas Begleitung ist so ein Projekt schon machbar.

    Fachkräfte werden nicht auf Unis "gezüchtet". Was Besseres, als die kindliche Neugier als Eltern fördernd zu begleiten, gibt es kaum.

  • Das Alter hätte ich sicher noch schreiben sollen: 16. Reinschauen würde er natürlich nicht. Er hat schon eine Taschenlampe die richtig richtig hell ist. Aber eben nicht selbst gemacht.
    Und Lötkolben und Erfahrung sind vorhanden. Ich hab nur echt Angst vor Strom. Eine 10 Watt Birne bauen Sie grad in der Schule...
    Kosten und nötige Teil inclusive Kühlung hat er auf dem Schirm. Nur was kann wirklich passieren???
    Danke für noch etwas erleuchtung...
    Ich möchte ihn auch nicht sinnlos bremsen!

  • Morgen!

    16, gut - ich dachte, wir reden von einem 9 Jährigen oder so :D


    Mir ist eingefallen, dass man anstelle eines LiPo Akkus auch einen Akkuschrauber-Akku zerlegen oder so wie er ist könnte - da sind hochstromfähige Zellen drin, kostet nicht viel (15 oder 20€ bei Aldi oder Lidl) und es ist alles schon schön gepackt, man muss nur wenig Löten.


    Frag ihn doch mal, wonach ihm der Sinn steht - eine klassische Taschenlampenform (sehr schwierig) oder ob die Optik eher uninteressant ist und es primär ums Basteln und das Licht am Ende geht.

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    Bin kein RGB-Freund

  • Reinschauen würde er natürlich nicht.

    Der Witz ist gut 😊 . Wer schon mit LEDs gebastelt hat und nie reingeschaut, der möge die Hand heben.


    Wie ja schon geschrieben, machbar ist es. Auch wenn die Leuchtdauer bei der Leistung eher kürzer sein wird. Und die Mechanik/ Optik mir eher Sorgen machen würde.

    Strom und Spannung sind, mit dem „Problem“ der Akkus gut beherrschbar. Früher hatte man nur Autobatterie.

    Ich habe mir in dem Alter mit einer Kohle-Lichtbogenlampe einen Sonnenbrand geholt.

  • Fachkräfte werden nicht auf Unis "gezüchtet". Was Besseres, als die kindliche Neugier als Eltern fördernd zu begleiten, gibt es kaum.

    Das kann man gar nicht genug betonen, völlig richtig.

    Ich bin auch der Meinung, daß das heutige Sicherheitsbewußtsein absurd übertrieben ist und gesamtgesellschaftlich gravierende Schäden produziert.


    Beispiel: In den 60er Jahren hat man noch völlig offene Schaltanlagen gebaut. Das einzige Stück "Verkleidung" war die Bedientafelseite, alle anderen fünf Seiten waren völlig offen. In die spannungsführenden Schienen reingreifen (oder gar reinfallen) war in keiner Weise abgesichert.

    Heute werden solche Anlagen hermetisch gekapselt gebaut ungewollt reingreifen geht praktisch nicht, man möchte meinen daß Elektrounfälle an solchen Anlagen nicht mehr möglich sind.

    Dennoch korreliert die Anzahl der Unfallereignisse mit dem Grad der Sicherheitsentwicklung: Bei immer höheren Sicherheitstandards immer mehr E-Unfälle, auch solche mit Todesfolge.

    Die Sicherheitsmechanismen verdrängen den Respekt vor den Gefahren.


    Hier hab ich ein Bild einer solchen Anlage gefunden. Nein, da fehlt keine Verkleidung, das wurde mal tatsächlich so betrieben, allerdings ist das ein ziemlich breiter Durchgangd, ich hab auch schon deutlich schmalere gesehen. Man beachte die spannungsführenden Cu-Schienen in Türsturzhöhe und links im Bild. Störlichtbogen -> keine Chance.


    [Blockierte Grafik: https://www.buerki-electric.ch/wp-content/uploads/2015/11/referenzen_wkw-thun_061-1140x640.jpg]



    Ansonsten: Meine ersten(!) Gehversuche in der E-Technik hab ich an Netzspannung gemacht und selbstverständlich empfehle ich das niemals weiter. Aber ich brauchte damals ein kräftiges Netzteil um meine Flugmodellakkus zu laden und damals hab ich in meinem Physikbuch gerade entdeckt wie ein Transformator funktoniert und so kam eins zum anderen. Mein Endziel damals war übrigens ein Netzteil mit 12V/30A-Ausgängen. Damals völlig utopisch, wurde mir auch gesagt, hab ich nur nicht glauben wollen, aber heute hab ich das Fachwissen für solche Projekte (allerdings die Zeit hab ich leider nicht mehr).

    Und ja, ich hab auch mal eine gezwirbelt bekommen weil ich am Trafo löten wollte und vergessen habe, die Spannung abzuklemmen. Allerdings hat mich dieser Vorfall ebenfalls hochgradig pingelig gemacht was Sicherheit angeht.


    Was ich sagen will: Laß deinen Sohn da ruhig seine Erfahrungen machen. Greife NICHT ein wenn seine Schaltung abfackelt, wenn du was tun willst sorge vorher für eine feuerfeste Umgebung.

    Ein Labornetzteil mit galvanischer Trennung vom Netz und Strombegrenzung (gemeinhin als Labornetzteil bekannt) sind zum Basteln prima. Wenn er mit Akkus rumbaut-laß ihn das tun. Wenn er sich 100W vorgenommen hat-laß ihn tun, der Mensch braucht Ziele im Leben und nur wer sich Großes vornimmt kann auch Großes erreichen. Wenn so eine Zelle abfackelt...kann mal passieren, wie gesagt: Feuerfeste Umgebung. Es reicht schon wenn nichts hochgradig brennbares in der Nähe steht, und eine Lüftungsmöglichkeit sollte gegeben sein.


    Eigentlich ist das wie mit dem Kind und der heißen Herdplatte. Man kann das Kind warnen, oder auch nicht. Aber nichts ist schlimmer als die Helikoptereltern, die ihr Kind lieber in einen Käfig sperren damit es keinen Kratzer abbekommt.

    Ich persönlich finde, gute Eltern warnen ihr Kind vor der heißen Herdplatte. Wenn das Kind dennoch ranpatschen will lassen sie es machen und sorgen schonmal für kaltes Wasser.


    Wer noch nie vom Baum gefallen ist, sich noch nie mit dem Hammer auf den Daumen gehauen hat, sich noch nie mit dem Fahrrad so richtig auf die Fresse gelegt oder ähnliches erlebt hat...hatte als Junge einfach eine beschissen trostlose Kindheit.


    Aber genug der theoretischen Pädagogik, du hast ja um praktische Tipps gebeten. Da wären:

    • Mache dir fürs erste zwei Grundlagen klar. Die sind wichtig, um die nachfolgenden Punkte zu verstehen. Lerne über das ohmsche Gesetz, und (noch wichtiger) Parallel - und Reihenschaltung insb. von Energiequellen. Du mußt die Formeln nicht auswendig können oder irgendwas berechnen können, es langt völlig wenn du die qualitativen Zusammenhänge verstehst.
    • Keine Gesamtspannung von mehr als 40V (Kleinspannung geht offiziell bis 50V), vor allem bei der Zusammenschaltung mehrer Akkus.
    • Keine Spannung mit Netzpotential. Also entweder Netzteile mit galvanischer Trennung oder Akkus.
    • Und die schon mehrmals erwähnte möglichst brandlastfreie Umgebung.

    Für Ängstliche als weitere Beruhigung (nach meiner Meinung vielleicht sinnvoll, jedoch nicht notwendig) könnte man noch Zellen mit mittlerer Kapazität verwenden. 100W bekommt man auch mit 1.000mAh-Zellen hin, die liefern die 100W halt nur nicht so lange wie Zellen mit 3.500mAh.


    Noch etwas: Lass dir von deinem Sohnemann mal zeigen was er da baut. Und stelle Fragen. Was passiert, wenn du dieses Bauteil entfernst und jenes umdrehst...


    Kleiner Tipp für deinen Sohnemann:

    http://www.dieelektronikerseite.de

    Da kann er vieles lernen.

    Das Erfolgskonzept von Windows ist eine gelungene Mischung aus Marketing, Korruption, Kartellmißbrauch und der erfolgreichen Spekulation auf das Naturgesetz, daß Scheiße oben schwimmt.


    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden,
    kann man Schönes bauen.
    Johann Wolfgang von Goethe